Gremien an der Uni

 

So, bevor wir euch mit weiterem Zusatzwissen überschütten, kommt erst mal die Kritik an der Sache. Wie sich vielleicht zum Teil aus dem Organigramm, aber sicher nach einiger Recherche ziemlich schnell zeigt, gibt es an der Universität vor allem eine Gruppe, die den Ton angibt.

Die Professor*innenschaft stellt zwar den kleinsten Teil der Basis, hat aber bei weitem die meiste Vertretung und teilweise das exklusive Stimmrecht in Gremien und Beschlussorganen der Universität. Dabei zieht sich die Angelegenheit durch alle Ebenen. Die Rechtfertigung hierfür geht leider nicht auf einen breit angelegten Diskurs und eine gemeinsam erarbeitete Lösung zurück, sondern entstand hauptsächlich auf Vorgaben der Regierung. Erst seit einigen Jahren (2012) haben Studierende wieder eine verfasste Studierendenschaft, nachdem diese über Jahrzehnte hinweg verboten war. Der StuRa hat aber leider meist nur eine beratende Rolle, beziehungsweise muss er sich jedes Mal aufs neue Gehör verschaffen, wenn er die Sache der Studis vertreten will.

Dabei sind wir nicht die einzigen, die schon seit Jahren versuchen ihren Fuß in die Tür der Institutionen zu bekommen. Die Arbeiter*innen der Universität und der Unikliniken kämpfen diesen Kampf schon mindestens so lange und sind ebenfalls chronisch unterrepräsentiert.

Demokratie heißt für uns Demokratie auf allen Ebenen. Und der Anfang darin liegt in einer angemessenen Vertretung. Gemeinsam mit den Arbeitenden heißt es diese einzufordern und neue Wege zu beschreiten.

Basis:

Studierende (inkl. Doktorand*innen)

  • Hauptanteil der Menschen an der Universität (ca. 27 000).
  • Mitbestimmungsrecht durch Wahlen von StuRa, Senat, Fakultätsrat
  • Mitwirkung in Fachschaften, Hochschulgruppen, sowie Studienbetrieb und Forschung
  • Anteil der Vertreter*innen: Uni-Ebene: Rektorat: 0/5, Unirat: 1/11, Senat: 6(2)/44 (+2)

Arbeitende (inkl. wissensch. Angestellte)

  • Zweitgrößter Anteil der Menschen an der Universität. Kaum Mitbestimmungsrecht bei Wahlen
  • Interessenvertretung durch Personalrat und gewerkschaftliche Organisation
  • Mitwirkung bei Studienbetrieb und Forschung, sowie vielem mehr
  • Anteil der Vertreter*innen: Uni-Ebene: Rektorat: 0/5, Unirat: 1/11, Senat: 8(4)/44 (+2)

Professor*innen (von den Unikliniken)

  •  im Verhältnis kleinster Anteil an der Universität. Mitbestimmungsrecht durch Wahlen und Stellung fast aller leitender Positionen
  • In den meisten Organen überrepräsentiert. Leitung der Lehre und Forschung
  • Anteil der Vertreter*innen auf Uni-Ebene: Rektorat: 5/5, Unirat: 2+Rektorat/11, Senat: 30 (+2) /44 (+2)

 

Fachbereichsebene:

Institutsbeirat

  • Setzt sich aus Vertretungen der Fachschaften und Proffessor*innenschaft zusammen, sowie teilweise Angestellten
  • Berät über Arbeit des Instituts

Studienkommissionen

  • -Zusammengesetzt aus Fachschaftsvertreter*innen und Professor*innen

Fachschaften

 

Fakultätsebene:

Dekanat

  • Mit- & Ohneglieder: Dekan*in, 2-4 Prodekan*innen (davon 1 Studiendekan*in)
  • Leitet Fakultät, Stellt Entwicklungspläne auf, Entscheidet über zugewiesene Mittel

Fakultätsrat

  • -Mit- & Ohneglieder:
    • Wegen Amt: gesamtes Dekanat
    • Gewählt (bei leeren Einträgen wurden keine Angaben gefunden, aber bitte schreibt uns wenn ihr mehr wisst):
Jura Evang. Kath. Mediz. Philosoph. WiSo Nat.wiss-math. Islam.
Hochschul-lehrer*innen 14 14 10 14 Alle
Akadem. Mitarbeitende 4 4 2 3 2
Weitere Mit. 0 2 2 3 1
Studierende 7 5 3 5 2
Promovierende oben enth. 1 1 1 1
  • Aufgaben: Dekanat kontrollieren, Zustimmung zu Planung des Dekanats

 

Universitätsebene:

Rektorat

  • Mit- & Ohneglieder:
    • 6-8 Jahre, gewählt durch Senat & Unirat, Abwahl durch Hochschullehrer*innen möglich:
    • hauptamtlich:
      • Rektor*in (Leitung)
      • Kanzler*in (Wirtschafts – & Personalverwaltung)
    • nebenamtlich:
      • Prorektor*in für Studierende, Studium und Lehre
      • Prorektor*in für Forschung und Innovation
  • Prorektor*in für Internationales und Diversität Zuständigkeit: Leitung, Struktur- , Ausstattungs- , Wirtschafts- & Entwicklungsplanung (5-Jahresplan laut §7 HSG), Abschluss von Verträgen, Bauen, Entscheidet über Vermögen
  • Weisungsbefugnis für Dezernate (Universitätsentwicklung, Struktur & Recht/ Forschung/ Studium und Lehre/ Studierende/ International Office/ Personal & innere Dienste/ Finanzen/ Bau, Arbeitssicherheit & Umwelt)

Hochschulrat/ Unirat

  •  Mit- & Ohneglieder:
    • 7 externe Vertreter*innen (Wirtschaft, Institute,…)
    • 4 interne Vertreter*innen davon 1 Student*in
  • Aufgaben: Rektorat beaufsichtigen, Zustimmung zu Verträgen und Planungen geben, Austausch mit dem Wissenschaftsministerium

Senat

  •  Mit- & Ohneglieder: mind. 1 Person jeder Fakultät
    • Wegen Amt: gesamtes Rektorat, 7 Dekan*innen der Fakultäten, Gleichstellungsbeauftragte
    • Gewählt: 18 Hochschullehrer*innen, 4 Akademische Mitarbeiter*innen, 4 sonstige Mitarbeiter*innen und 4 Studierende
    • Bei Fragen rund um die Uniklinik, deren Geschäftsführung und ärztliche Direktion
  • Zuständigkeit: Forschung, Kunstausübung, Kunst, Lehre, Studium, muss Entwicklungsplänen des Rektorats zustimmen & wählt mit Hochschulrat die hauptamtl. Mit- & Ohneglieder des Rektorats, Stellungnahme zu Rektoratsarbeit

Studierendenrat (StuRa)

  • Mit- & Ohneglieder: gewählte Vertreter*innen der Studierendenschaft
  • Finanzierung: 3,50 € des Studierendenbeitrags jedes Studis im Semester
  • Aufgaben: Kulturelles Leben, Interessenvertretung, Förderung von studentischen Gruppen & Projekten
  • Durch das Land Baden-Wüttemberg ist ihm die Einmischung in die Politik verboten, aber das Verbot wird locker umgesetzt (Ermahnungen)

Studierendenvollversammlung (StuVV)

  •  Alle Studierenden, die daran teilnehmen
  • Höchstes Gremium der Studierendenschaft, meist Beratung, Stellungnahmen/ Positionen

Fachschaftsvollversammlung (FSVV/ FSRVV)

  • Fachschaftsvertretung im StuRa, Sitzung für alle Studierende offen.

Personalrat der Uni & PR des Uniklinikums

  • gewählte Vertretung der Arbeiter*innen an der Universität/ Uniklinikum Tübingen
  • Vertritt die Interessen & berät Arbeiter*innen (inkl. studentische Beschäftigte), Förderung deren Mitbestimmung

 

Regional

Studierendenwerk (StuWe)

  • Gemmeinnützig, Anstalt des öffentlichen Rechts
  • Geschäftsführer: auf 6 Jahre durch Verwaltungsrat gewählt
  • Verwaltungsrat: 3 Rektoren, 3 Studierende, 3 externe Sachverständige, 1 Wissenschaftsministerium, 1 Personalrat durch Vertretungsversammlung gewähltes Organ (nicht öffentlich)
  • Vertretungsversammlung: Rektorate , Lehrkräfte, Studierende (2-4 pro Einrichtung) (öffentlich)
  • Finanziert durch Studierendenbeiträge, Zuwendungen des Landes BaWü, Einnahmen aus Mensen, Wohnungen & Co.
  • Wohnen/ Wohnheime, Mensen & Cafetarien, Kinderbetreuung, Ausbildungsförderung

 

Überregional

Freier Zusammenschluss von Student*innenschaften (fzs)

  • Alle ½ Jahre: Mitgliedsversammlung aller Hochschulen (Vertreter*innen aus dem StuRa)
  • Aufgaben: Vertretung der Studierenden (80 Mitgliedshochschulen) nach außen, auf Bundesebene, Schulungen, internationale Vernetzung

Landes-ASten-Konferenz (LAK)

  • Vertretung aus dem StuRa
  • Vertretung der Studierenden auf Landesebene
  • ASta = Allg. Studierendenauschuss

 

International

Matariki Network of Universities

  • Dartmouth College, Durham University, Queen‘s University, University of Otago, University of West Australia and Uppsala Univeristet
  • Zusammenarbeit und Austausch für Studierende, Doktorand*innen,…

 

The Guild of European Research-Intensive Universities

Aarhus University, Babeș-Bolyai University, The University of Bern, The University of Bologna, Ghent University, The University of Glasgow, The University of Göttingen, The University of Groningen, Jagiellonian University (Krakow), King’s College London, University of Louvain, University of Ljubljana, The University of Oslo, University Paris Diderot, Pompeu Fabra University, Radboud University, University of Tartu, Uppsala University, The University of Vienna, The University of Warwick

 

CIVIS – A European Civic University

Universität Aix-Marseille, Nationale und Kapodistrias-Universität Athen, Universität Bukarest, Freie Universität Brüssel, Autonome Universität Madrid, Sapienza Universität Rom, Universität Stockholm, Universität Glasgow

 

Stand: 2021

#PersoOhneFinger

Neulich war ich mal wieder beim Bürger*innenamt. Perso erneuern, weil ich schon so oft darauf angesprochen wurde. Hat sich zwar nix geändert, außer vielleicht die immer mal wieder wechselnde Haarlänge, aber was soll’s. Der Staat weiß ja eh schon alles, was da drauf steht.

Pustekuchen! „Sie müssen ihre Fingerabdrücke abgeben, das wird jetzt Pflicht.“, so die ungefähre Aussage. Erstmal deshalb an die Beamt*innen des Bürgeramtes: Noch ist es keine Pflicht! Trotzdem, ab dem 02. August 2021 wird die Speicherung von Fingerabdrücken durch den Staat zum Zwang. Was bisher noch auf freiwilliger Basis auf den Bürgerämtern möglich war, wurde am 07. November durch einen Beschluss des Europaparlaments verpflichtend. Ich will aber nicht dass meine Fingerabdrücke der Polizei, Zoll, Büger*innenämtern und Co. bekannt sind.

Warum will ich das nicht ?

  • Zum einen finde ich es eine unglaubliche Beschränkung meiner Datenrechte, beziehungsweise ein weiterer Vorstoß des Staates in meine Privatsphäre. Die Praxis, die bisher nur bei Straftäter*innen möglich ist, soll nun bei jeder Person eine ganz normale Sache werden. Einfach so, mitten in der Pandemie, in der große Proteste ohne schlechtes Gewissen und/oder Infektionsrisiko kaum möglich sind. In der die Medien 24/7 nur noch von einer Sache berichten und in der wir sowieso schon massive (mehr oder weniger sinnvolle) Einschränkungen hinnehmen, um unsere Mitmenschen zu schützen.
  • Zum anderen hat das ganze für mich einen persönlicheren Aspekt. Denn durch diese Speicherung werden bewusst Aktivisten kriminalisiert. Der Einsatz von digitalen Fingerabdruck-Auslesegeräten ist längst Praxis auf großen Protesten und nun ist es möglich jede Person zu identifieren, ohne dass diese jemals vorher straffällig geworden ist. Das das ganze keine Wirkung bei der Terrorismusbekämpfung hat, zeigt eine kleine Anfrage der LINKEN im Bundestag, welche ergab:
„Es sind keine konkreten Fälle von als terroristisch eingestufter Straftaten bekannt, in denen das Nichtvorhandensein gespeicherter Fingerabdrücke auf Personalausweisen sowie anderen Ausweisdokumenten mutmaßlich dazu geführt hätten, dass die Taten nicht verhindert bzw. nicht aufgeklärt und die Täter [nicht] ermittelt werden konnten.“
  • Zum dritten erfüllt diese Maßnahme nicht einmal ihren Zweck. Begründet wird das ganze aus dem Innenministerium (ach unser lieber Horst) durch einen vermeintlich sichereren Personalausweis und mehr Komfort beim Behördengang.
    • Der erste Aspekt ist reine Farce, denn ein Fingerabdruck hat gegenüber einem Passwort oder Sicherheitszertifikat einen gehörigen Nachteil: Er ist einzigartig. Das heißt, wenn diese Daten einmal durch einen Hack oder einfach nur Unvorsichtigkeit von einer staatlichen oder privaten Stelle geleakt werden, können wir sie nicht ändern. Alle Accounts, sowohl bei Unternehmen als auch beim Staat, die mit dem Abdruck verknüpft sind, sind dann unsicher. Sollte ein Account mit dem Passwort ‚abcdefghij‘ gehackt werden (Bitte benutzt das niemals als Passwort..), habe ich allein mit dieser Buchstabenkombination 10! = 10 x 9 x … 2 x 1 = 3628800 Möglichkeiten mein Passwort zu ändern. Und sollte das nicht reichen, können immer noch andere Zeichen benutzt werden oder das Passwort verlängert werden. Bei Fingerabdrücken habe ich genau 20 Chancen in meinem gesamten Leben (wenn wir noch die Zehen mit dazu nehmen).
    • Der zweite Aspekt lässt sich genauso gut durch ein Sicherheitszertifikat ohne die Knüpfung an biometrische Daten lösen. Nichts anderes ist nämlich auch die Datei, welche am Ende von der Behörde ausgelesen wird. Eine Verkettung von Zahlen und Buchstaben, die euren Fingerabdruck darstellen. Aber warum ? Es klappt doch z.B. auch beim Steuersystem ‚Elster‘ mit einem Sicherheitszertifikat und Passwort.

Nun bleibt die Frage: Was tun ? Ihr könnt natürlich versuchen euren alten Perso bis in alle Ewigkeit zu behalten, aber damit dürftet ihr irgendwann auf Probleme stoßen. Am besten ihr beantragt noch bis Ende Juli einen neuen #PersoOhneFinger und ab dem Zeitpunkt habt ihr (sofern 23 oder jünger) 6 Jahre Zeit, bis der Perso erneuert werden muss. Das ändert allerdings nichts am Zwang für euch und andere, die diese Nachricht vielleicht nicht so früh erreicht. Deshalb nutzt den Hashtag und informiert euch und eure Freunde über Möglichkeiten und Aktionen. Eine gute erste Anlaufstelle bietet zum Beispiel der Verein Digitalcourage e.V.

Der Staat zeigt seine Zähne und gemeint sind wir alle !

 

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Tag des Gedenkens an die Opfer des Faschismus

Im Gedenken an alle Opfer des Faschismus und zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz durch die sowjetische rote Armee haben wir gemeinsam mit der Verein der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschist*innen (VVN/BdA) Tübingen-Mössingen und dem Offenen Treffen gegen Rassismus und Faschismus (OTFR) in ganz Tübingen Plakate aufgehängt. Auf diesen Plakaten sind Zitate und Geschichten von Menschen zu lesen, die im KZ Auschwitz von den deutschen Faschisten gefangen gehalten und teilweise auch dort von ihnen ermordet wurden.

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!
Das bedeutet auch im Hier und Jetzt: aktiv werden gegen den Rechtsruck und gegen die faschistische Bewegung!

Dannenröder Forst

Der Dannenröder Forst ist ein wunderschönes Stück Natur in Hessen, welcher für eine Autobahn weichen soll. Ihr habt richtig gelesen, eine neue Autobahn im Jahr 202x. Jetzt könnte mensch sich fragen, wie so eine Idee in Zeiten von massiven Protesten gegen die Klimakrise entstehen konnte, aber die Antwort darauf ist eine ganz einfache. Ist sie nämlich gar nicht. Bei der geplanten A49 handelt es sich um einen Planungsdinosaurier, der seit dem Jahr 2006/7 auf seine Durchführung wartet. Inzwischen ist die Zeit jedoch nicht stehen geblieben. Die Welt wird sich ihrer Lage immer bewusster und die Verhältnisse im hessischen Landtag haben sich auch verändert. Im Jahr 2007 war die CDU mit rund 49 % noch klar am Drücker, während sie heute mit 27 % um ihre Position als stärkste hessische Partei fürchten muss. „Bedroht“ werden sie von den schicken Grünen, die mit 20 % in der Koalition mit der CDU Junior-Partner sind. Doch was die Konservativen aus Hessen trösten sollte: Es bleibt trotzdem alles beim Alten. Trotz grünem Verkehrsminister. Trotz dem Aufschwung der Grünen durch die Klimabewegung. Trotz einer erstmalig erklärten Absicht, die Bundesregierung zu stellen. Also zusammenfassend: Trotz einer parlamentarisch starken Grünen werden weiter Autobahnen gezogen. Was soll das ? Wie wollt ihr eine Verkehrswende schaffen, wenn das Autofahren immer attraktiver gemacht wird ? Wie wollt ihr die Erwärmung des Planeten aufhalten, wenn immer mehr Asphalt (232km) verbaut wird und so gut wie keine (6km) Schienen ? [1]  Wo sind die großen Pläne ? Und vor allem wo bleiben die großen Taten ?

Wir möchten uns hier ausdrücklich mit dem Kampf für Klimagerechtigkeit im Dannenröder Forst solidarisieren.

 

Für weiter Infos empfehle ich euch den Webauftritt des Bündnisses „Aktion Schlagloch“[2] und „Wald statt Asphalt“[3].

 

Bis bald, im Danni <3

 

[1] https://www.tagesschau.de/inland/bahn-auto-ausbau-101.html

[2] https://aktionschlagloch.blackblogs.org/solidaritatserklarung/

[3] https://wald-statt-asphalt.net/de/