Bildungsstreik 2014 in Tübingen

Der Bildungsstreik 2014 wurde dieses Jahr in Baden-Württemberg ironischerweise von der Landesrektorenkonferenz (LRK) mit-initiiert, daher findet er auch abweichend vom bundesweiten Bildungsstreik nicht am 20. Mai statt, wie es eigentlich bundesweit geplant war, sondern in Baden-Württemberg erst am 21. Mai.
Ohne an dieser Stelle zu viel darüber nachzudenken, warum sich wohl die tendenziell eher konservativen Rektoren angesichts einer grün-roten Landesregierung nun selbst einen Bildungsstreik herbeigewünscht haben, (nachdem Rektoren wie der Tübinger Bernd Engler in der kürzeren Vergangenheit noch vehement für Studiengebühren eingetreten waren,) rufen auch wir zu diesem „von oben“ erwünschten Bildungsstreik mit auf, da er trotz der überraschenden Allianz mit der LRK auch in unserem Sinne geschieht.

Um zumindest ein wenig an den bundesweiten dezentralen Termin anzuknüpfen, wird der Tübinger Bildungsstreik am 20. Mai mit einer 24-Stunden-Vorlesung eröffnet, die von der Fachschaften-Vollversammlung (unserem Haupt-Bündnispartner im Studierendenrat) vorbereitet wurde. Das Programm dazu findet sich hier:

24 Stunden Vorlesung im Rahmen des Bildungsstreiks 2014: Programmheft (PDF)

Die 24 Stunden Vorlesung beginnt am Dienstag um 18 Uhr im Hörsaal 22 (im Kupferbau) und endet am Mittwoch um 21 Uhr. Unterbrochen wird sie von der eigentlichen Bildungsstreik-Demo am Mittwoch (21. Mai) um 15 Uhr vor der Neuen Aula (gegenüber dem Clubhaus in der Wilhelmstraße).

Wir hoffen, dass sich möglichst viele von Euch am Mittwoch um 15 Uhr mit uns vor der Neuen Aula einfinden werden. Abschließend findet am Mittwoch abend ab 21 Uhr ein großes Bildungsstreik-Abschlussfest im Kupferbau statt.

Damit Ihr die 24 Stunden Vorlesung überlebt wird es am Dienstag abend eine VoKü und
am Mittwoch morgen Frühstück
geben. Wir sehen uns!

Wehrwissenschaften an der „Exzellenzuniversität“ Tübingen

Uni Tübingen: Neue Aula, Hörsaal 8
Dienstag, 29.01.2012 um 19:15 Uhr

In ihrer Außendarstellung sind Wissenschaft und Universitäten an einem kontinuierlichen Prozess der Annäherung an eine objektiv feststellbare Wirklichkeit interessiert,‭ ‬durch dieses Ansinnen und diesem dienende Methoden definieren sie sich.‭ ‬In der Praxis jedoch zeigt sich,‭ ‬dass sowohl die Vorstellungen der objektiven Wirklichkeit als auch die Methoden hochgradig abhängig sind von wirtschaftlichen und staatspolitischen Interessen,‭ ‬von marktwirtschaftlicher und militärstrategischer Verwertbarkeit.‭

„Marketing‏“ ‎ist zu einem wesentlichen und bestimmenden Merkmal des Wissenschaftsbetriebes und im Wettbewerb zwischen Universitäten geworden.‭ ‬Elemente des Marketings der Universität Tübingen sind ethische Richtlinien wie die sogenannte‭ „‬Zivilklausel‭“‬,‭ ‬wonach‭ „‬Lehre,‭ ‬Forschung und Studium an der Universität‭ ‬…‭ ‬friedlichen Zwecken dienen,‭ ‬das Zusammenleben der Völker bereichern und im Bewusstsein der Erhaltung dernatürlichen Lebensgrundlagen erfolgen‭“ ‬soll.‭ ‬Damit wird v.a.‭ ‬die Forschung des Exzellenzclusters‭ „‬Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften‭ (‬CIN‭)“ ‬legitimiert,‭ ‬das Wehrmedizin und‭ „‬Grundlagenforschung‭“ ‬betreibt,‭ ‬die auch der Verbesserung von Schnittstellen zwischen Menschen und‭ (‬Kriegs-‭)‬Maschinen dient und zugleich in großem Maßstab neue genetische‭ „‬Defekte‭“ ‬identifiziert.‭ ‬Eine enge Zusammenarbeit mit‭ (‬Rüstungs-‭)‬Industrie und Politik sowie eine Ausrichtung auf deren Interessen ist dabei durchaus erwünscht und gilt als Qualitätsmerkmal.‭ ‬Zugleich und damit zusammenhängend zeigt sich auch in den Sozial-‭ ‬und Geisteswissenschaften eine Tendenz zur zunehmenden Instrumentalisierung der Wissenschaft zur Unterdrückung und biopolitischen Zurichtung dessen,‭ ‬was als‭ „‬Gesellschaft‭“ ‬-‭ ‬als zu erforschender und manipulierender Gegenstand‭ – ‬begriffen wird.

Eine Veranstaltung der‭ [‚‬solid‭]‬.SDS Hochschulgruppe.
www.solid-sds.de

Der Vortrag wurde vom Bildungsmagazin der Wüsten Welle aufgezeichnet und kann hier nachgehört werden:
Wehrwissenschaften an der Uni Tübingen?