Bundesweiter Bildungsstreik: Pressemitteilung

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Das Bündnis kritisiert nicht nur die Unterfinanzierung des Bildungswesens und dessen zunehmend einseitige Ausrichtung an rein ökonomischen Maßstäben, sondern auch die soziale Selektivität und den Mangel an demokratischer Mitbestimmung.

Ausbildungsgehalt statt Ausbildungsgebühr!
Durch Ausbildungs- und Studiengebühren wird die mit dem dreigliedrigen Schulsystem ohnehin schon starke soziale Selektivität des deutschen Bildungswesens noch weiter zementiert.“, sagt Fabian Everding von der [‘solid].SDS Hochschulgruppe und verweist auf die HIS Studie „Studiengebühren aus der Sicht von Studienberechtigten“1,
„Gerade ohne finanzielle Rückendeckung von zu Hause schreckt die Aufnahme eines Studienkredits viele Schulabgänger vom Studium ab. Besonders vor dem Hintergrund einer ohnehin unsicheren beruflichen Zukunft haben viele Leute Angst sich auf Jahre hinweg zu verschulden.“

Während in Schweden jeder Studierende ein Grundgehalt zur Finanzierung seines Lebens erhält, müssen Studierende bei uns Studiengebühren bezahlen und Auszubildende nicht selten für ihre Ausbildung selbst aufkommen. Auch für die schulische Ausbildung ihrer Kinder müssen Eltern immer tiefer in die Tasche greifen.

Der Student der Politikwissenschaft Jan Dollbaum kritisiert: „In den letzten Jahren wurde durch Studien vielfach belegt, dass Deutschland im internationalen Vergleich nur sehr wenig Geld in die Bildung investiert. Trotzdem wurden von der Politik kaum Verbesserungen erbracht.“

gezielte Förderung statt Lehrermangel!
„Um vernünftige Klassengrößen zu erreichen, hätte man schon vor Jahren viel mehr Lehrer einstellen müssen. Stattdessen wartet die Landesregierung, bis sich der Personalmangel an den Schulen kaum noch ignorieren lässt. Erst dann wird im Wahlkampf mit leeren Versprechungen geworben, die kaum oder gar nicht eingehalten werden.“, erklärt Lisa Maier von der Freien SchülerInnen Organisation (FSO).

Gestrafftes Studium geht auf Kosten der akademischen Freiheit / G8 sorgt für Schulstress
Während ein Studium früher nicht nur dem reinen Wissenserwerb dienen, sondern auch zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen sollte, ist die Universität mit den neuen Bachelor/Master-Studiengängen immer verschulter geworden und lässt den Studierenden zugleich immer weniger Freiraum um z.B. eigene Studieninteressen zu entwickeln oder sich außerhalb ihres Studiums zu engagieren.
Ein ähnliches Problem zeichnet sich bereits für die Schülerinnen und Schüler ab, die künftig schon nach der zwölften Klasse ihr Abitur machen sollen.

Master für alle!
Nur für etwa 30% aller Bachelor-Absolventen sind in Zukunft Master-Studienplätze vorgesehen.
Dazu sagt Jascha Smacka von der Fachschaften-Vollversammlung: „Durch die künstliche Limitierung der zur Verfügung stehenden Master-Studienplätze soll die Anzahl der Master-Absolventen auf ein von der Wirtschaft gewünschtes Maß reduziert werden. Der Rest soll sich mit einem minderwertigen Abschluss begnügen, der im übrigen nicht einmal überall in Europa anerkannt wird.“

Wer macht den Bildungsstreik in Tübingen?
Der Tübinger Bildungsstreik ist ein gemeinsames Bündnis des Arbeitskreises “Freie Bildung” der Fachschaften-Vollversammlung, der Freien SchülerInnen Organisation (FSO) und der [‘solid].SDS Hochschulgruppe sowie der Linksjugend [‘solid]. Außerdem sind verschiedene Einzelpersonen mit und ohne sonstige Gruppenzugehörigkeit bei uns aktiv.

Vor Ort werden wir unterstützt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Baden-Württemberg, der GEW Hochschulgruppe Tübingen und der ver.di jugend Fils-Neckar-Alb.

Weitere Informationen über den Bildungsstreik in Tübingen finden sich unter bildungsstreik.fsrvv.de im Internet.