Einführung in die Verbindungskritik

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[‘solid].sds Tübingen lädt ein:

– Junge Burschen und Alte Herren –
Einführung in die Verbindungskritik

Vortrag und Diskussion mit
Lucius Teidelbaum (Verbindungskritiker)

am Dienstag, 29. Januar 08, 20 Uhr
im Hörsaal 6, Neue Aula, Wilhelmstr.7, Tübingen


Offensiv werben Studentenverbindungen um neue Mitglieder unter anderem mit günstigem Wohnraum und Parties. Doch Studentenverbindungen sind weitaus mehr als Gesangvereine mit seltsamen Kostümen und Sitten.

Bei den meisten Korporationen handelt es sich um persönlichkeitsmanipulierende Erziehungs­anstalten mit Elite-Anspruch und einer mehr oder weniger stärkeren Rechtslastigkeit. Das elitäre Selbstverständnis wird durch den Ausschluss von Frauen, oft aber auch Zivildienstleis­tende, Homosexuelle oder Ausländer, verstärkt. Die Mitgliedschaft in einer Verbindung hält ein Leben lang an („Lebensbund“) und später bei der Karriere greifen sich Korporierte gerne gegen­seitig unter die Arme. Frauen werden in den meisten Studentenverbindungen als „Armschmuck“ für die Verbindungsfeiern und nicht als vollwertige selbstständige Individuen wahrgenommen. Über ein Diener-Herr-Verhältnis werden in den meisten Studentenverbindungen Neu-Mitglieder zu Gehorsam und Unterwerfung erzogen. Ergänzt wird diese Disziplinierung über krude Trinkri­tuale oder das Fechten mit Degen („Mensur“) als ritualisierte „Mutprobe“.

Auch ein stark militaristisches Selbstverständnis prägt viele Studentenverbindungen: „Wir sind in der unglaublich schönen Lage, nur von Freunden umgeben zu sein. Das Blöde ist, es kommt kein Krieg mehr.“ (Günther Oettinger, Mitglied der Tübinger Landsmannschaft Ulmia bei einem Vortrag bei seiner Verbindung am 25. Januar 2007)

Geschichtlich betrachtet waren Studentenverbindungen die kriegstreiberischen und deutschna­tionalen Heißmacher und schon lange vor den Nationalsozialisten schloss ein großer Teil der Verbindungen jüdische Deutsche von der Mitgliedschaft aus. In der Weimarer Republik waren Studentenverbindungen nicht selten die Totengräber der Demokratie und die Steigbügelhalter der Nazis. So heißt es in der „Tübinger Chronik“ über das Maisingen 1933: „Seine Rede ließ er ausklingen in ein dreifaches Heil auf unseren Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg und Adolf Hitler.“

Noch mehr Argumente gibt es unter clubhausia.fsrvv.de im Internet.

Flyer:flyer-verbindungskritik.pdf